6.1. Das accompagnato-EU-Projekt

Das EU-Projekt (SOKRATES/COMENIUS): „accompagnato – Brücken zwischen Studium und Beruf des Musiklehrers“ (2001-2004):
Die Verbreitung der Idee und die Erweiterung des Horizonts der Anwendbarkeit unter verschiedenartigen Bedingungen

Die Initiative, das accompagnato-EU-Projekt federführend zu gestalten, ist aus dem Kontext der Arbeit im Wiener Institut für Musikpädagogik Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre zu erklären. Das 1991 gegründete Institut hatte sich gut etabliert und auch international hohe Reputation erworben; konzeptionell waren verschiedene, stark wirksame Impulse gesetzt worden, vor allem im Sinne eines grundlegenden Umdenkens im Bereich der Lehrerbildung für das Fach Musik. Hierbei war neben den curricularen Lehrveranstaltungen die innovative Arbeit mit dem Kreis der Mentorinnen und Mentoren sowie die Entwicklung des accompagnato-Modells von besonderer Bedeutung.

Gleichzeitig richtete sich in zunehmendem Maße der Blick nach draußen, also in das überregionale bzw. internationale fachliche und fachpolitische Umfeld, in das die Arbeit am Institut einzuordnen war. Neben der „Arbeitsgemeinschaft Musikpädagogik der südlichen Länder Europas (ArGeSüd)“ wurde die Mitwirkung in der „European Association for Music in Schools (EAS)“ mehr und mehr intensiviert. In diesem Zusammenhang ging die Übernahme der Verantwortung für den Wiener EAS-Kongress 2003 Hand in Hand mit dem Impuls, das accompagnato-Modell international bekannt zu machen und daraus neue Anregungen für die Weiterentwicklung des Modells zu schöpfen.

Im Zentrum stand die Frage, wie die Arbeit mit dem accompagnato-Modell unter grundlegend verschiedenen Bedingungen möglich wäre und was diese Erfahrungen für das konzeptionelle Weiterdenken bedeuten würden.

Tatsächlich wurde das accompagnato-Kurskonzept an den am EU-Projekt beteiligten Standorten in den Ländern Schweden, Deutschland, Schweiz und Slowenien adaptiert und eingerichtet. Die umfassenden Evaluationen während und zum Abschluss des Projekts zeigen ein höchst differenziertes Bild der Möglichkeiten, mit dem accompagnato-Modell die Praxis der Lehrerbildung zu verändern und zu bereichern. In der angemessenen Komplexität kann und soll dies hier nicht dokumentiert werden.

Lediglich zwei Punkte seien erwähnt:

  1. Bei der Initiative, das Modell zu adaptieren, ist gut zu unterscheiden zwischen
    – einerseits den essenziellen Aspekten wie die Persönlichkeitsentwicklung im Miteinander, die Anliegen-Arbeit im Lernzyklus, die Prinzipien der Unterrichtsbesuche und die Gestaltung der Auswertungsarbeit und
    – andererseits die Art der Einbettung des Kurskonzepts in die bestehenden Strukturen der Lehrerbildung vor Ort sowie die Einbeziehung möglicher begleitender Kursthemen und Arbeitsschritte (wie, in Wien, „Anfangen“, „Umgang mit Konflikten“, „Arbeitsaufträge formulieren“, „Spielregeln/Grenzen“).

Im accompagnato-Buch, das einige Jahre später geschrieben wurde, spiegeln sich deutlich diese verschiedenen Ebenen der essenziellen Elemente des Modells und der gleichzeitigen Offenheit des Denkens und der Arbeitsformen.

  1. Im Projekt nahmen die Versuche der Integration des E-Learning in die accompagnato-Arbeit einen gewissen Raum ein. Diese Versuche haben sich weder im Ausgangsort Wien noch in den anderen Ländern als erfolgreich und erst recht nicht als nachhaltig erwiesen.

Projektpartner

Folgende Partnerinstitutionen und Personen haben im accompagnato-EU-Projekt mitgewirkt:

Österreich
Institut für Musikpädagogik, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
(Brigitte Lion, Christine Stöger, Franz Niermann)

Deutschland
Hochschule für Musik und Theater, Hannover
(Klaus-Jürgen Etzold, Ekkehard Mascher, Hans Bäßler)
Hochschule für Musik und Theater, Köln
(Christine Stöger)

Schweiz
Musikhochschule Basel
(Beat Hofstetter)

Schweden
Institutionen för estetiska ämnen, Lärarutbildningen, Umeå universitet
(Tommy Strandberg, Manfred Scheid)

Slowenien
Akademija za glasbo
(Branka Rotar-Pance)
Univerza v Ljubljani
(Barbara Sicherl-Kafol)

 

Ländertreffen

Dies waren die in die Durchführung des accompagnato-EU-Projekts integrierten Konferenzen:

  1. Österreich, Wien, Januar 2002
    Thema: Kennenlernen des accompagnato-Kursmodells. Konzept der Integration von E-Learning
  2. Schweden, Umeå, August 2002
    Thema: Adaptierung des accompagnato-Kurses in den Ländern bzw. Institutionen
  3. Deutschland, Hannover, September 2003
    Thema: Evaluierung der empirischen Untersuchungen zur Lehrerbildung und zur Adaptierung des accompagnato-Konzepts in den einzelnen Ländern
  4. Slowenien, Ljubljana, Mai 2004
    Thema: Entwicklung der accompagnato-Kurse in den einzelnen Ländern. Abschluss-Bericht